Stars der Woche

Freizeit Kurier 19.04.2016
von Andreas Bovelino

MASAAR HUBB
MARWAN ABADO & PAUL GULDA

Der eine ist Pianist, Dirigent und Sohn eines der namhaftesten Klaviervirtuosen Österreichs, der andere ist Meister der orientalischen Kurzhalslaute Oud, Sänger und als Palästinenser in einem Flüchtlingslager im Libanon aufgewachsen. Grandiose Musiker sind beide. Gemeinsam begeben sie sich auf eine spirituelle musikalische Reise, schicken Johann Sebastian Bach in den Orient, improvisieren über europäische und östliche Tradition. Als Transportmittel hat Gulda das Cembalo gewählt, das mit dem melancholisch flüchtigen Klang der Oud auf beinahe magische Weise kommuniziert, ohne sie zu erdrücken. Denn es ist genau diese Kurzhalslaute, die die gesamte Weite der Wüste, tausende Jahre Geschichte, Sehnsucht und Glück zu evozieren vermag. Das Ganze ist berückend schön. (Gramola)


Konzert: Paul Gulda und Marwan Abado spielten mit Flüchtlingen


Sie kommen aus Syrien, Irak und Afghanistan, wohnen zur Zeit am Stephansplatz und warten auf ihren Asylbescheid. Gestern Abend aber haben die Flüchtlinge gefeiert: Denn die Musiker Paul Gulda und Marwan Abado hatten spontan angeboten, ein Konzert zu geben - für die Gäste vom Stephansplatz und ihre vielen Unterstützer.

In den Räumen der Erzdiözese Wien haben die 22 Gäste aus Nahost vorübergehend Unterkunft gefunden. Und seit zwei Monaten besuchen die arabischsprachigen jungen Männer auch einen Deutschkurs.

J.S. Bach und der Orient
Musik aber ist eine Sprache, die alle verstehen. Das meint der Pianist Paul Gulda. Gemeinsam mit Marwan Abado musizierte er im festlichen Ambiente des Erzbischöflichen Palais: "Marwan kommt aus der arabischen Musik, und ich komme aus der klassischen europäischen Musik", sagt Gulda. Demnächst stellen die beiden ihre Live-CD „MasaarHubb“ ("Pfad der Liebe": Cembalo, Oud, Vokal) vor: "In unseren Konzerten wird dieser Dialog gelebt."

Unter Kristalllustern und Stuckdecken erklangen die Saiten des Cembalos und die Saiten der orientalischen Laute, der Oud; integrierten sie Johann Sebastian Bach in die Klänge orientalischer Lieder. Ein Dialog der Kulturen.

Dabei wird viel improvisiert - "ähnlich wie in der Flüchtlingshilfe", meint Paul Gulda: "Aber es gibt noch einen Aspekt", so Gulda. Man verlange von den Flüchtlingen, sie sollen sich unserer Kultur nähern oder sogar anpassen. "Aber man sagt nicht: Kommt doch herein ins Konzerthaus und in den Musikverein, und wir zeigen euch das alles!" Man gebe sich damit zufrieden, dass Flüchtlinge im Containerdorf leben. Wir denken: "Lernt zuerst Deutsch, dann reden wir weiter!"

Abado: Brückenschlag zwischen Orient und Okzident
Marwan Abado ist palästinensischer Herkunft, geboren in einem Flüchtlingslager im Libanon, staatenlos. "Dieses schreckliche Schicksal kann man bewältigen, wenn man eine ausgestreckte Hand erlebt, wenn jemand sagt: Herzlich Willkommen!".

Mittlerweile ist er ein international tätiger Musiker und Sänger und sucht immer wieder den Brückenschlag zwischen Orient und Okzident. "Wenn Flüchtlinge sehen, dass jemand, der aus ihrer Kultur kommt, hier Fuß gefasst hat, dann kann das für sie motivierend sein, sich ernsthaft damit auseinander zu setzen, in dieser Gesellschaft weiterzukommen." Wenn das gelinge, hätten wir viel gewonnen, so Abado.

Als die jungen Männer in das Konzert mit einstimmen - spätestens dann erfasst der Rhythmus auch das Publikum europäischer Herkunft. In der Sprache der Musik funktioniert die Verständigung bereits, auch in der deutschen Sprache wird man sich bald verständigen können: "Dankeschön!" sagt einer der jungen Männer nach dem Konzert: "Ich liebe Musik!"
erstellt von: sj am 27.11.2015


„RAUSHANA“ Hakan Gürses Kritik


Stimme Heft Nr. 91/Sommer 2014


Mit seiner Solo-CD „Raushana“ gelang Marwan Abado ein Meisterwerk, das von der Oud, der orientalischen Laute, und dem vokalen Können des Musikers getragen ist. In den 13 Stücken, allesamt Eigenkompositionen, setzt der palästinensische-libanesische Künstler die modalen Tonleitern, Maqamamat, als Gefäße ein, in denen jedes Stück seine eigene Farbe entfalten kann. Durch die virtuos gespielten Improvisationen und das ganz besondere Timbre Marwan Abado´s erlangt die CD eine persönliche Note. „Raushana“ (der Titel wird in dem anspruchsvoll gestalteten, dreisprachigen Booklet auf poetische Weise erklärt), diese reife Arbeit des Ausnahme-Musikers Abado, ist übrigens nur bei dessen Live-Auftritten zu erwerben- hier sei zu beidem, Konzert und CD-Kauf, geraten.
Wien, Hakan Gürses


Kronen Zeitung

17-04-2011

Porgy & Bess: Ost und West, Tradition und Neues-Grenzen sind dazu da, überschritten zu werden. dazu da, überschritten zu werden. Mit seiner wunderbar poetisch-musikalischen Mischung, dem verzaubernden Oud-Spiel und einer Stimme, die die Sehnsucht und Hoffnung in unendliche Räume trägt, lädt Marwan Abado immer wieder ein, ihn auf seinen virtuosen und von Neugier getriebenen Grenzgängen zu begleiten. Beim akustischen Mittelmeerfestival Mare nostrum" im Wiener Porgy&Bess, führte der palästinensisch-libanesische Wahlwiener, Oud-Meister und Komponist mit seiner kleinen feinen Band und dem Gast und Freund, dem Pianisten Paul Gulda, durch eine bunte Vielfalt der Kulturen- einst und jetzt Von Bach – als Gastgeschenk des Pianisten – über den sinnlich-vollen Klang der arabischen Popmusik bis zur groovenden Jazz-Etappe, Da paart sich ein eindringliches Oud-Solo mit arabischer Klangharmonie, gefallen traditionelle mittelöstliche Melodik und feine Intervallstruktur mit je einer Prise Klezmer und Blues. Grenzenlos. Schön, ki


Concerto


„Die meines Erachtens beste CD des palästinensischen Barden und Oudspielers Marwan Abado. … Die meisten Texte und Kompositionen stammen von ihm, außer drei Gedichte von Salman Masalha, Samih Alkassim und Abidu Bascha, denen Abado zarte Melodiekleider anlegt. Die Größe von „Kabila“ liegt im ständigen Wechsel von Impressionismus und Expressionismus, dass Abado unverdrossen seinem Konzept folgt, kontemplative und trancehafte Darbietung, aber diese nun durch schnellere Nummern abwechseln lässt und seine Oud perkussiver einsetzt.


Kurier


„Bitter-süße, hell-dunkle Geschichten. Liebeslieder, die weit sind wie die Wüste, sich gelassen und anmutig fortbewegen wie Wüstenschiffe, prall voll mit Leben und Geheimnissen wie üppige Oasen, flirrend bunte, labyrinthische Souks. Es ist eine magische CD, auf der man den Orient spüren kann.“


Kronenzeitung


"Uralter Rhythmus traditionelle Harmonie und neue Symbiose zwischen den Kulturen! Der Oud-Spieler Marwan Abado überbrückt mit seinen musikalischen Einsichten Zeit und Raum. Mit Peter Rosmanith am Schlagwerk, Otto Lechner am Akkordeon und der vielseitigen Joanna Lewis als Gast machte der palästinensische Wahlwiener Abado im Wiener Porgy & Bess Appetit auf sein neues CD-Projekt "Kabila". Die arabische Kurzhalslaute Oud vermittelt mit den von Rosmanith eindringlich bis melodiös geschlagenen Percussionsinstrumenten tiefe, orientalische Sehnsucht und Temperament, melancholische Gleichmut und bizarre Phantasie, aber auch Urvertrauen in ungewisse Zeiten. Das wendige Lechner'sche Akkordeon und Lewis' grenzüberschreitende Violine brechen das Spektrum zu erweiterter Farbenpracht. Rasante erdige Taktmaße lösen lyrische Bedächtigkeit auf, Poesie über Liebe, Enttäuschung, Frieden und Hoffnung bestimmen die Musik und beweisen beständige Widerstandskraft. Spannend!"


Jazzzeit


"Marwan Abado, der exzellente Oud Spieler, Sänger und Komponist hat mit "Kabila" erneut orientalische Musik geschaffen, die für jeden hör- und nachvollziehbar ist. Seine Melodien drücken leicht verständlich menschliche Gefühle aus und wachsen mit den Texten zu einem intensiven Ganzen zusammen. Allein die Klangfarben der Musik und der Sprache führen in den Orient. Die Geschichten an sich könnten in jedem Erdteil stattfinden, doch Beirut ist die Heimat Abados, also warum nicht darauf Bezug nehmen. Joanna Lewis (v), Peter Rosmanith (perc) und Otto Lechner (acc) sind mehr als nur Wegbegleiter. Obwohl Marwan Abado deutlich die Richtung angibt, sind es sie, die dem Album noch weitere Abzweigungen mit formschönen Melodieteilen und Rhythmen mitgeben. Bei "Kabila" entstehen zehn Kurzfilme, die durch die musikalischen Akteure kunstvoll miteinander verwoben werden und uns mit prächtigen Bildern 48 Minuten kurz den Rest der Welt vergessen lassen."


Melange mit Aroma


Abado & Co: Rainspotting
Hakan Gürses
Stimme

Nr. 35 /II 2000

Die als "Gitarre des Orients" bezeichnete Knickhalslaute mit dem Namen Oud ist seit mindestens einem Jahrzent zum fixen Bestandteil des Ethno-Jazz geworden.

Gerald Jatzek
Erschienen am: 29.03.2002


Wiener Zeitung


Während im Süden der Republik sprachliche Einheit verordnet wird, führt in Wien die Vielfalt der Sprachen und Kulturen zu erfreulichen Ergebnissen. Als jüngstes ist die CD "Marakeb" von Marwan Abado und Peter Rosmanith zu nennen. Mit Oud, Stimme und Perkussion (unter Rosmaniths Händen wird so ziemlich jeder Gegenstand zum Instrument) nehmen die beiden den Hörer auf eine Reise nach Nordafrika. Dass dabei sogar das Englisch der Übersetzungen und des Beiblatts einen arabischen Einschlag hat, trägt zum Lokalkolorit bei.
Zu den Mitgliedern der hochmusikalischen Karawane gehören die üblichen Verdächtigen wie Franz Hautzinger und Otto Lechner sowie Linda Wolfsgruber, die für die Grafik ein Extralob verdient.


Albert Hosp, Ö1


Wenn Marwan Abado musiziert, könnte einem quasi imaginär der Duft orientalischer Speisen in die Nase steigen. Oder die Weite der Landschaft im Nahen Osten vors geistige Auge schweben. Und da in Wien der Osten ja wirklich sehr nahe ist, ist diese neue CD wiederum eine ganz nahe liegende Sache.


Andreas Felber, Der Standard


Seit Jahren bereichert der gebürtige Libanese Marwan Abado die Wiener Musikszene. Solo ist er an seinem Instrument, der Oud [...] nur selten zu vernehmen. Dabei läßt sich gerade in dieser Konstellation die musikalische Akkulturation von Orient und Okzident wie unter einer Lupe studieren. Und Abado ist ein ausgewiesener Meister seines Faches. Intimer Hörgenuß!


Flachgauer Nachrichten


Abados Klangbilder [sind] ungewöhnlich. Sie erfordern Geduld. Doch wenn man sich einläßt auf die Töne seiner Ud (arabische Laute) und die Kraft seiner Stimme, wird man gefesselt: von der Faszination einer Musik, die keine zeitliche Gesetzmäßigkeit kennt, sondern mehr auf den inneren Impulsen des Musikers beruht.


CONCERTO


Sinnliche Poesie dieser Art deutet immer auf einen südöstlichen Erdteil, erst recht in Begleitung des orientalischsten aller Instrumente: der Oud. Und welche Oud könnte solche Worte stimmungsvoller transportieren als jene von Marwan Abado?

Marwan Abado gehört zu jenen Künstlern, die die Bühne als magischen Ort der Begegnung in ihrer reinsten Darstellungsform erlebbar machen. Nicht Eitelkeit oder Selbstdarstellung sind seine Motive, sondern die reine Botschaft an sich. Dafür genügt eine Oud. Ein Mikrophon ist gar nicht immer notwendig. Daß solche Auftritte nicht nur tief aus dem Bauch herauskommen, sondern auch beim Publikum tief ins Herz hineinschleichen, versteht sich von selbst.


A. Felber, SKUG


Kontemplative Oud-Meditationen und arabische Gesänge alternieren mit Passagen von hinreißend-rassiger Grooviness, in denen Tabla und jazzige Basslinien in die Beine fahren.


Jazzzeit


Auf Kamelen begibt man sich ins Landesinnere genießt im Kreise der Beduinen Kaffee und lauscht der Musik des Regens. Der musikalische Mittlere Osten zeichnet sich deutlich vor unserem inneren Augen ab, man frönt der Reise, die in ihren Solo- und Duopassagen von Abado & Rosmanith die größte Gefühlsintensität hervorbringt.


Richard Schuberth, CONCERTO

Der Wahlwiener Marwan Abado ist ein moderner Musiker, der die Lyrik - seine eigene und solche anderer moderner arabischer Dichter (Talal Haider, Tawfiq Zayyad) ins Zentrum seines musikalischen Ausdrucks setzt. Das Lied selbst wird dabei zu einem synästhetischen Erlebnis: Abado & Rosmanith lassen ihre Instrumente singen, Geschichten erzählen, Abado wiederum verwendet seine Stimme wie ein Instrument.


Martin Schuster, CONCERTO


„Marakeb” – eine Produktion, die abseits billiger Multikulti-Ästhetik eine echt kosmopolitische Botschaft vermittelt und gerade durch ihre leisen, sanften Töne an Eindringlichkeit gewinnt.


A. Felber, SKUG


Kontemplative Oud-Meditationen und arabische Gesänge alternieren mit Passagen von hinreißend-rassiger Grooviness, in denen Tabla und jazzige Basslinien in die Beine fahren.

marwan